Internet per Satellit – Die Lösung für Landeier

Wir haben im Roetgener Süden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels (Dezember 2014) Internetverbindungsgeschwindigkeiten, wie sie andernorts Ende des vergangenen Jahrtausends üblich waren. Das ist leider kein Scherz. Wo in der Stadt 150 und mehr MBit/s angeboten werden, liegt in unserer Straße zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels das Maximum bei 2 MBit/s. Tatsächlich kommt meistens deutlich weniger an, an manchen Tagen nur etwa 0,350 MBit/s.

Das gilt wohl gemerkt für die Tage, an denen wir überhaupt Internet (oder Telefon) haben. Da die ursprünglichen Uralt-Leitungen zum Teil auf zehn und mehr Empfänger aufgesplittet wurden, bricht das ganze Netz immer wieder zusammen. Inzwischen ist alles so marode, dass ständig irgendwo ein Telekom-Fahrzeug neben einem aufgerissenen Stück Bürgersteig steht und wieder einmal geflickt wird. Mehrmals pro Jahr fällt alles komplett aus, manchmal nur für einen Tag oder zwei, manchmal für wesentlich länger. Auf Internet warten wir an unzähligen Tagen des Jahres vergebens.

Dass das nicht sein muss, zeigen Nachbargemeinden, die – obwohl oft deutlich kleiner als Roetgen – längst halbwegs moderne 50 MBit/s anbieten. Selbst in winzigen Dörfern wie Hammer verfügt jeder Haushalt über 16 MBit/s. Bei uns dagegen wurde nach jahrelangen Klagen und Bitten seitens der Bewohner eine ‚Bedarfserhebung‘ durchgeführt mit dem überraschenden Ergebnis, dass die Bewohner tatsächlich Recht haben. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Das war im Frühjahr 2013. Jetzt geht gerade das Jahr 2014 zu Ende, und es lässt sich präzise zusammenfassen, was unsere Gemeinde uns inzwischen bieten kann: Nichts. [Update Dezember 2015: Immer noch nichts.] Unser Wunsch, man möge uns doch zumindest 16 MBit/s zur Verfügung stellen, wurde seitens eines Gemeindemitarbeiters abgetan mit dem Hinweis, wir hätten wohl ‚Breitbandhunger‘. Auch der Hinweis darauf, dass alleine in dem untersuchten Gebiet laut gemeindeeigenen Ergebnissen der Bedarfserhebung 61 Firmen sitzen, verhallte ohne Reaktion.

Dass mittelständische Unternehmen und selbst kleine Betriebe oder Einzelunternehmen einen extremen finanziellen Verlust hinnehmen müssen, scheint niemanden zu kümmern, im Gegenteil: Es wurden in den vergangenen Monaten munter und ohne erkennbare Gegenleistung die Grundsteuer und die Gewerbesteuer angehoben.

Dabei lässt sich ganz einfach nachrechnen, was die lahmen Verbindungen die Unternehmen kosten. Nehmen wir nur einmal ganz normale Seitenaufrufe, gar nicht erst den Versand großer Dateien o.ä.: Wenn man unter normalen Bedingungen klickt, geht die Seite auf, die Mail wird angezeigt etc. Hier nicht. Bei jedem Vorgang wartet man zwischen zwei und zehn Sekunden. Bei der geschätzten Anzahl von Aufrufen an einem ganz normalen Arbeitstag geht so mindestens eine halbe, eher eine Dreiviertelstunde Stunde pro Arbeitstag mit Warten und Leerlauf verloren.

Es lässt sich leicht überschlagen, dass solche Verbindungsgeschwindigkeiten wie im Roetgener Süden, in Rott und in Mulartshütte einen mittleren Betrieb schnell zigtausend Euro im Jahr kosten; selbst bei kleinsten Unternehmen kommen mehrere Tausend Euro im Jahr an Verlust durch Warten zusammen. Das ist nicht nur einfach ein Standortnachteil, sondern für viele das Ende. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss man deutlich unter Preis arbeiten. Wer das nicht schafft, kann nur noch den Laden dicht machen.

Dass auch privat die Teilhabe an andernorts üblichen Kommunikationsformen, Angeboten der Unterhaltungsindustrie etc. unmöglich ist, wird offenbar ebenso wenig berücksichtigt. Wie schon gesagt: Wir leiden offenbar an einem merkwürdigen ‚Breitbandhunger’…

Nach Jahren des Bittens und Bettelns hatten wir endgültig die Nase voll. Wir wollten nicht mehr darauf warten, dass irgendjemand in die Gänge kommt, sondern haben uns unsere Internetverbindung selber gebaut. Da wir weder die Straße aufbuddeln noch einen LTE-Mast aufstellen durften und das gesamte Mobilfunknetz mangels Verfügbarkeit ebenso wenig eine Alternative war, blieb nur die Variante ‚Internet über Satellit‘.

Das kannten wir von früher als teuer und aufwendig, musste man doch damals für den Upstream, also die Senderichtung, nach wie vor eine Telefonleitung nutzen; lediglich der Downstream, also die Empfangsrichtung, lief über Satellit. Die Zeiten haben sich aber geändert. Ganz gewaltig sogar. Zum Glück!

Wir haben lange und gründlich recherchiert, Angebote und zum Einsatz kommende Techniken verglichen und sorgfältig ausgewählt, was in unseren Augen die beste, schnellste und preiswerteste Lösung war. Die möchte ich gerne hier vorstellen, damit sich andere Betroffene die tage- und wochenlange Mühe sparen können. Es gibt dort inzwischen Tarife, die unter dem Preis der Telekom für unsere ehemalige 2 MBit/s-Leitung liegen und doch mehr als die zehnfache Geschwindigkeit bringen. Der Link dorthin, so er denn funktioniert, ist unter der Themenauswahl bei den Affiliate-Links.

Rechnet man das, was hier tatsächlich als DSL ankam, liegen wir jetzt sogar beinahe beim Sechzigfachen. Alle Tarife bieten die gleiche Geschwindigkeit von 22 MBit/s im Downstream und unschlagbaren 6 MBit/s im Upstream, der daher sogar mit aktuellen Angeboten im fernen Stadtgebiet mithalten kann. Unterschiede gibt es lediglich im monatlichen Datenvolumen. Wir haben vorsichtshalber einen Tarif im oberen Volumenbereich gewählt, weil wir nicht gut abschätzen konnten, wieviel wir tatsächlich brauchen würden, wenn wir dann doch plötzlich ganz normal arbeiten, Streamingdienste in Anspruch nehmen, über das Internet fernsehen und vieles mehr können. Außerdem gab es bei unserem Tarif die Schüssel gratis dazu 😀 Und wir haben mal kurz überschlagen, dass schon ein oder zwei eingesparte Arbeitsstunden pro Monat das Ganze wieder wettmachen.

Unseren Erfahrungsbericht nach inzwischen dreieinhalb Jahren (aktualisierte Angabe vom November 2016) Internet via Satellit werde ich hoffentlich bald in einem kleinen Video zusammenfassen können. Bis dahin gilt aber schon unser Fazit: Absolut empfehlenswert! Für im Stich gelassene Landeier wie uns DIE (Er)Lösung, und ganz sicher auch perfekt für alle diejenigen unter euch, die ihr Stück Land außerhalb jeglicher Zivilisation haben :D.

getinternet.de: Internet über Satellit – schnelles Internet auch auf dem Land!


Gefällt dir der Artikel? Dann sag es weiter 🙂